Bemerkenswert ausgewogen
Das Urteil über Richard Strauss blieb lange gespalten. Ernst Bloch meinte schon in den Zwanzigerjahren, es sei schwer «über ihn ins Reine zu kommen». Und noch zum 50. Todestag schrieb der Musikwissenschaftler Volker Scherliess, es liege auf der Hand, dass zwischen der Erfolgsverwöhntheit von Strauss und seinem künstlerischen Schaffen eine Beziehung bestehe: «Wer selbst keine existenziellen Probleme bewältigen muss, wird sie auch künstlerisch nicht artikulieren wollen.
»
Andererseits hatte Strauss auch jenseits der hagiografischen Literatur prominente Fürsprecher wie etwa Glenn Gould. Und natürlich wurden seine Werke (fast ausnahmslos) vom Publikum gefeiert; sogar die Skandalopern «Salome» und «Elektra» liefen von Anfang an blendend. Im Kontext der Nachkriegsavantgarde spitzte sich die mehr oder weniger offene Pro- und Contrahaltung zu, und das blieb noch bis zur Jahrtausendwende so: Kaum trat ein Forscher auf den Plan, der zum Beispiel eine tiefe Verbundenheit von Strauss mit der Kulturpolitik der Nazis behauptete und belegte (wie Gerhard Splitt), dauerte es nicht lange, bis jemand das relativierte und Strauss als letztlich harmlosen, egomanen, aber gutwilligen Mitläufer beschrieb ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Stephan Mösch
Rimsky-Korsakows «Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch» ist eine Art Testament. Insofern liegt der Vergleich mit Wagners «Parsifal» nahe, der aber in die Irre führt. Außer ein paar feierlich-liturgischen Szenen haben die beiden Werke wenig gemeinsam. Eher wäre «Kitesch» mit «Aus einem Totenhaus» zu vergleichen, einem anderen künstlerischen Testament. Janáceks...
Die Wiederveröffentlichung von Ton- und Bildmaterial aus dem Katalog ist angesichts rückläufiger Umsätze für die großen Klassik-Labels zu einem wichtigen Geschäftszweig geworden. Kein Jubiläum, das nicht für die Zusammenstellung einer CD- oder DVD-Box genutzt würde. Der Griff ins Archiv kostet so gut wie nichts, und alte Einspielungen lassen sich, zumal in neuer...
Bernhard Lang ist nicht der Erste, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne bringt. Aber seine Ästhetik der transformativen Wiederholung, mit dieser Überzeugung durfte man zur Uraufführung des Stücks bei den Schwetzinger Festspielen reisen, schien die idealen Voraussetzungen zu bieten, Schnitzlers Variationsdramaturgie des Immergleichen – zehn Figuren,...
