Don Bizarro
So viel Geheimniskrämerei war selten bei den Tiroler Festspielen. Fotos wurden erst kurz vor der Premiere freigegeben – selbst Bayreuth ist da schneller. Doch in Erl, wo bislang das gediegene Arrangement vorherrschte, rüstete man sich zum Regietheater. Und das mit einem Neuling: Alexander Polzin, für seine Skulpturen weltweit gelobt und auch schon als Bühnenausstatter aktiv («Parsifal» bei den Salzburger Osterfestspielen, «Lohengrin» in Madrid, «Rigoletto» in Düsseldorf), debütierte als Opernregisseur.
Dies mit Beethovens «Fidelio», einem jener Stücke, die Regisseurenhirne besonders gern und stark zum Glühen und Krampfen bringen.
Nicht überraschend: Eine Riesenskulptur beherrscht die Erler Festspielhausbühne. Ein rätselhafter Schädel mit drei Öffnungen (offenbar zwei Augen plus Nase), die Mundpartie ist zugewachsen. Dreh- und schiebbar ist das Ganze, hinten hat es die Kopfschale gesprengt, statt Klein- und Großhirn gibt es dort Florestan, der seine Arie singen darf. Unter viel Dramaturgendampf startet der Abend. Polzin und seine Co-Regisseurin, die Tanzperformerin Sommer Ulrickson, sprechen Zeilen aus Heiner Müllers «Herzstück». Vom Herz als Ziegelstein ist die Rede, was Anlass ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Markus Thiel
Siehst du nicht mein fremdes Gesicht? Siehst du die fremden Augen nicht?» Sou Chong warnt Lisa, dennoch folgt sie ihm nach China. Und muss dort erkennen, dass die schöne Idee von der glücklichen Verbindung zweier Kulturen nicht aufgeht. Ende 1929 ging es zum ersten Mal ins «Land des Lächelns». Am Berliner Metropol-Theater, zwei Wochen vor dem Schwarzen Freitag. In...
Schwammerl» nannten ihn seine Freunde. Im Hochdeutschen bedeutet das «Pilzling»; es zielte wohl auf Franz Schuberts körperliche Disposition: untersetzt, klein, beleibt. Und in Gesellschaft oft scheu und irritiert. Doch das war quasi die Vorderansicht, die Hülle des Komponisten. Um die Rückansicht, die Innen- und Nachtseite, um den Schöpfer von zuletzt...
Nicht nur wegen der geöffneten Striche, die den Baron Ochs als wahrhaft «aufgeblas’nen, schlechten Kerl» zeigen, war dieser «Rosenkavalier» ein Höhepunkt im Strauss-Jahr 2014: Harry Kupfer und sein Bühnenbildner Hans Schavernoch nutzten die Breitwandbühne des Großen Festspielhauses von Salzburg auf suggestive Weise, verlegten das Geschehen mit opulenten,...
