So einfach, so schlagend
Alles auf Anfang. Es ist, als werde in Zürich die Erfindung der Oper anhand eines der frühesten Exemplare des Genres nachgestellt. Stockdunkel das Haus. Aus der Düsternis heraus beginnt eine der drei Chitarronen, die zuvor riesenhaft aus dem Graben auf die Bühne ragten, zu fantasieren. La Scintilla, diesmal nur 16 Köpfe stark, tastet sich – immer noch kein Licht – mit der Sicherheit des Spezialensembles in Claudio Monteverdis Klangsphäre hinein. Und auch Wolfgang Gussmanns schräge Szenenscheibe taucht wie aus dem Nichts auf.
«Il ritorno d’Ulisse in patria»: Auf der Drehbühne Damen und Herren in gehobener heutiger Alltagskleidung (Kostüme: der Bühnenbildner und Susana Mendoza). Sie recken die Arme, wiegen sich im Tanzschritt, rotten sich eng zusammen, streben auseinander, formieren sich zur Polonaise, rahmen den Spielkreis. Einen aus ihrer Mitte entkleiden sie bis auf den Slip. Er ist «L’humana fragilità», die menschliche Gebrechlichkeit. Sie spielen das Spiel. Penelope, Sonnenbrille, kleines Schwarzes, löst sich aus dem Ensemble und erbittet die Rückkunft des Gatten, der 20 Jahre zuvor in den Trojanischen Krieg zog. «Torna, deh torna Ulisse!» – «Kehr heim, ach, kehr heim, ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Heinz W. Koch
Eine Frau betrügt ihren Mann mit einem Jüngling. Ihr Mann gibt ihr das Herz des Jünglings zu essen, woraufhin sie sich umbringt. Eine klassische Dreieckskonstellation mit blutigem Ausgang. Eine Geschichte, die erzählt werden will. Und in George Benjamins «Written on Skin» (siehe OW 9-10/2012) wird sie erzählt – vordergründig linear. Doch Martin Crimp spielt in...
Die Grenzen dessen, was Singen sein kann, zieht der landläufige Opernbetrieb eher eng. Wer abseits der europäischen Hochkultur erfahren will, was außerhalb Europas oder außerhalb der Kunst als schöner oder ausdrucksvoller Gesang gilt, konnte in den vergangenen Jahren bei den Internationalen Festspielen in Bergen mitreißende Erfahrungen machen. An der norwegischen...
Kurz vor der Uraufführung seines «Wölfli-Liederbuchs» meldete sich Wolfgang Rihm mit einer Bitte an die Interpreten zu Wort: Die sieben Stücke sollten «in dynamische Extreme» geführt werden; «wenn dasteht fffpppfff, ist das physische Zuckung ... Ich stelle mir das Ganze vor: karg und glühend, eisig heiß, winterlich ohne Naturbild». Was der damals (1981) 29-Jährige...
