Blick von außen
Die Reflexe kommen bei manchen schnell. Jaroussky, wunderbar – aber mit Solokantaten von Bach? Welcher deutsche Counter würde sich, beispielsweise, an ein Album mit französischen Vertonungen von Verlaine wagen, wie es Jaroussky so hinreißend gelang? Andererseits: Pourquoi pas? Natürlich hört man, dass Deutsch nicht die Muttersprache des 38-jährigen Sängers ist. Aber man hört es positiv – an der Übergenauigkeit, mit der etwa die Vokale «ü» und «i» unterschieden werden, und am melodischen Sprachempfinden.
Teutonische Konsonantenballungen wie «Fluch und Freundschaft» stehen da nun mal der Clarté im Wege, und beiläufiges Mitlesen kann beim Hören nicht schaden.
Aber das ist kein Makel, sondern Teil der Anregung, Bach neu zu hören und ebenso Telemann. Bei Bach ist uns manches allzu vertraut, so sicher haben wir es uns in seiner Musiksprache eingerichtet und auch in dem Widerspruch, dass der in seiner Wirkung wohl weltumfassendste Komponist in seiner Vokalmusik ein sehr idiomatisches barockes Deutsch für orthodox lutherische Inhalte verwendet. Besonders in «Ich habe genug» (BWV 82) tut es nun gut, eine Stimme mit einer Biografie außerhalb der Oratorienlandschaft zu hören, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Volker Hagedorn
Die Schlange, Urgrund allen Übels. Langsam windet sie sich über die Wählscheibe der Pariser Telefonzelle, ihr klein-gefährlicher Kopf, auf zwei schwingende Tücher über der Szene projiziert, ist in Großaufnahme zu sehen. Später wird die Versucherin über die auf dem Bett sinnende Margarethe gleiten, der Nachbarin Marthe hängt sie beim Flirt mit Mephisto um den Hals....
Theaterhäuser gehören schon relativ lange zur Geschichte Australiens – doch dass es Freiluftaufführungen nach europäischem Modell gibt, ist eine Entwicklung neueren Datums, einfach, weil es in der Regel zu heiß ist. In der Premiere von Alan Johns «Sydney Opera House» – der ersten Neuinszenierung dieser «Oper zur Oper» (1995), jetzt auf dem Vorplatz derselben...
Knapp sieht anders aus. Exakt 1516 der notwendigen 10562 Unterschriften fehlten für ein Bürgerbegehren. Monatelang hatte die Initiative gegen die Augsburger Theatersanierung ein Geheimnis um den Stand ihrer Sammlung gemacht, am Ende stand sie kräftig blamiert da: Fantasienamen, Unterzeichnende, die minderjährig sind oder nicht in der Fuggerstadt wohnen; zudem...
