Mythos und Kunstgewerbe

Marco Arturo Marelli und Andrew Litton genießen an der Deutschen Oper Berlin Strauss’ «Ägyptische Helena»

Opernwelt - Logo

Nehmen Sie überhaupt alles so, wie wenn es sich vor zwei oder drei Jahren irgendwo zwischen Moskau und Neuyork zugetragen hätte», riet Hugo von Hofmannsthal seinem Partner Richard Strauss bei einem Konzeptionsgespräch zur gemeinsamen Oper «Die ägyptische Helena». Zwanzig Jahre nach ihrer Zusammenarbeit an «Elektra» wollte der Dichter den Komponisten noch einmal für ein Sujet begeistern, in dem sich antiker Mythos mit moderner Psychologie verband.


Zwischen den beiden Werken lag die niederschmetternde Erfahrung des Ersten Weltkriegs, die sich in Hofmannsthals Libretto widerspiegelt, wenn auch mythisch verklausuliert. Menelas, nach dem zehn Jahre währenden Trojanischen Krieg mit Helena auf der Heimreise, ist im Begriff, sie zu töten, als ein Seesturm losbricht. Die Zauberin Aithra hat ihn entfacht, um sich die Wartezeit auf ihren Geliebten Poseidon zu verkürzen. Sie nimmt die Schiffbrüchigen in ihre Behausung auf und unterzieht sie einer gründlichen Therapie. Ein Lotostrunk, der Vergessen bringt, ist der erste Schritt. Aithra kann Menelas weismachen, dass seine Frau die ganze Zeit in Ägypten im Schlaf gelegen habe, wäh­rend sie in Troja von einem Phantom-Double vertreten wurde (diesen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ins Absurde getrieben

Vielleicht ist die freche Münchner Neuinszenierung von Pfitzners «Palestrina» tatsächlich das Beste, was man dem Stück heute angedeihen lassen kann: die pop-ästhetische Aushebelung frommer Demutshaltung und historischer Einfühlung mit Hilfe von Geometrie und Ironie. Das Ganze lebt von konstruktivistischen Bühnenschnitten und absurdem Popanz in knalligem Pink und...

Exil für eine populäre Gattung

 Es ist nicht überliefert, ob Giuseppe Verdi Otto Nicolais Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» gekannt hat, die zur Zeit der Arbeit am «Falstaff» erstmalig auf italienischen Spielplänen erschien. Dennoch sind die We­ge der beiden Komponisten auf merkwürdige Weise miteinander verbunden. Beide begannen ihre Laufbahn als Opernkomponis­ten im gleichen Jahr 1839 in...

Editorial

Dass Musik das Herz ergreift, den Atem raubt, zu Tränen rührt – solchen Formulierungen haftet schnell der Ruch des Klischees, des Kitsches, des Sentimentalen an. Und die Vorbehalte gegen eine Rhetorik der Gefühlsemphase haben gute Gründe. Zum einen, weil diese Emphase von der Werbung vereinnahmt und dort zur Absatzförderung eingesetzt wird. Zum anderen, weil...