Kabinett der Träume

Bohuslav Martinus «Juliette» ist begehrt wie nie. An der Berliner Staatsoper deuten Daniel Barenboim und Claus Guth das Stück nun als surrealen Krimi – mit Magdalena Kozená und einem irre spielenden Rolando Villazón

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Der verflixte Revolver! Den ganzen Abend über versucht Rolando Villazón ihn loszuwerden. Und doch taucht er immer wieder auf, egal, wo er die Waffe vorher gerade hat verschwinden lassen. So oft fällt ihm das gefährliche Gerät mit der Trommelkammer in die Hände, dass es schließlich zum tödlichen Schuss kommt. In Claus Guths Inszenierung von Bohuslav Martinus «Juliette» führt Villazón den absurden Slapstick-Kampf mit dem altmodischen Schießeisen auf hoch virtuose Weise, macht die vergebliche Entsorgung des unliebsamen Geräts zum Running Gag eines traurigen Clowns.



Denn als solcher erscheint Michel hier, der Pariser Buchhändler, der seiner Traumfrau hinterherjagt, jener Juliette, die ihm einst in einer fremden Stadt wie eine Vision erschien. Als es dann endlich zum lang ersehnten Rendezvous kommt, sinkt die Angebetete tödlich getroffen zu Boden. Ob er der Schütze war oder es sich um einen Blindgänger handelte, kann Michel auch im «Zentralbüro der Träume» nicht erfahren – stattdessen hört er plötzlich Juliettes Stimme hinter einer verschlossenen Tür.

Das spanische Verb «revolver» bedeutet «aufwühlen, durcheinanderbringen, verwirren» – und dass dem Publikum in der Berliner Staatsoper so ...

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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Frederik Hanssen

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