Stummes Los, laute Aktion
Die Stumme hat viel zu sagen. Schon vom ersten Moment an, da sie – noch während Publikum in den Saal strömt – im bis vor den Orchestergraben reichenden Wohnambiete (Bühnenbild: Utz) einfach nur dasteht wie eine jener menschlichen Statuen, die in den Fußgängerzonen für ein Bakschisch Stille halten. Vor ein paar Jahren in Cardiff war Linda Kitchen eine bezaubernde Gretel in Richard Jones’ skurriler Exegese von Humperdincks Märchenoper.
In Jones’ szenischer Uraufführung von Gerald Barrys Fassbinder-Oper «The Bitter Tears of Petra von Kant» an der English National Opera gibt sie nun keinen Laut und lässt uns dennoch den Atem anhalten.
Sie ist Marlene, Petras Sekretärin, das arme Tier, das später die geliebte Herrin ständig umstreicht, Drinks apportiert, Korrespondenz tippt, Petras Liebe zu Karen mit schmalen Augen beobachtet. Dabei wirkt sie wohl aggressiver als die sanft vor sich hin leidende Irm Hermann in Fassbinders Film, aber keineswegs weniger verletzlich. Am Schluss dann, als die von Karen gedemütigte Petra sie endlich wahrzunehmen scheint und auffordert, doch von sich selbst zu erzählen, stürzt sie zu gewaltsamen Orchesterakkorden davon, mit aufgerissenem Mund, immer noch ...
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Dichtertum und Trunkenheit: Man kennt das in Graz. Werner Schwab starb vor fast zwölf Jahren in der Silvesternacht, Magic Wolfgang Bauer erst vor wenigen Wochen, beide wohl an alkoholischer Erschöpfung. So trifft das zerrüttete Bild, das der Titelheld am Schluss von Offenbachs «Hoffmanns Erzählungen» in Tatjana Gürbacas Grazer Inszenierung bietet, einen bekannten...
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