Wachsfigurenkabinett
Ehebruch und Scheidung, ein verheirateter evangelischer Pastor und seine Gemeinde, ein en detail nachgestellter protestantischer Gottesdienst: Man könnte meinen, das sei mehr, als ein italienisches Opernpublikum um 1850 vertragen konnte, von der Zensur ganz zu schweigen. Tatsächlich wurde Verdis «Stiffelio» im damals österreichisch regierten Triest und Venedig nach einigen Änderungen ohne größere Opposition des örtlichen katholischen Klerus zur Aufführung gebracht – allerdings fand die Oper beim Publikum nur lauwarmen Anklang.
Unter den Namen «Guglielmo di Wellingrode» und «Aroldo» gingen später bereinigte Neufassungen über die Bühne, die nicht viel besser fuhren. Und so geriet Verdis Oper bald in Vergessenheit. Daran dürfte weniger die krause Handlung schuld sein – in dieser Hinsicht liegt «Il trovatore» vorn und war trotzdem viel erfolgreicher – als der relative Mangel an gassenhauerreifen Solonummern.
«Stiffelio» steht und fällt mit der Regie. Leider lieferte Johannes Weigand mit seiner blassen Inszenierung für La Fenice keine Offenbarung. In der Lagunenstadt war die Oper seit 1985 nicht mehr gespielt worden; damals entwarf der vielseitig begabte Giovanni Morelli eine gewagte, ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Carlo Vitali
Die erste Tosca der New York City Opera war ein echter Star: Als die Company 1944 mit Puccinis vor 116 Jahren in Rom uraufgeführtem Bestseller ihre erste Produktion zeigte, sang Dusolina Giannini die Titelpartie. Als people’s opera konzipiert, pflegte man in den folgenden Jahrzehnten freilich vor allem ein Repertoire, das die Metropolitan Opera nicht auf dem Schirm...
Sieben Stücke für das Musiktheater hat er geschrieben, darunter ein Werk über «Gilgamesch», das älteste Epos der Literaturgeschichte, und eine Reflexion über den Orpheus-Mythos: «Der unendliche Gesang». Das Unabschließbare, Uneinholbare, Ungeordnete ist überhaupt der mentale Ausgangs- und Angelpunkt des Komponisten, dem das Kuratorium der Ernst von Siemens...
Londons Nebel war notorisch. Aber er gab der Metropole an der Themse zugleich eine ganz spezielle Note, machte sie angeblich so unvergleichlich, dass nicht mal Flugzeuge abreisen wollten. So zumindest der Aphorismus eines Satirikers. Fog und Smog soll es schon im London des 13. Jahrhunderts gegeben haben; die Emission von schwefelhaltigem Rauch durch Kohleheizungen...
