Bariton-Facetten
Für sein erstes Opern-Recital hat Lucio Gallo Rollen gewählt, die er bereits häufig auf der Bühne gesungen hat, die Spannweite von Mozart über die Belcanto-Oper und die französische und russische Literatur bis hin zu Wagner ist folglich kein Studio-Fake, sondern entspricht der tatsächlichen Leistungsfähigkeit dieses Sängers.
Streng genommen besitzt er weder die Wärme und Fülle eines echten Verdi-Baritons noch die vokale Statur eines deutschen Helden-Baritons, man könnte ihn einigermaßen präzise als einen lyrischen Charakterbariton bezeichnen, der als Don Giovanni und Malatesta ebenso treffend eingesetzt ist wie als Eugen Onegin oder Gianni Schicchi. Aber seine perfekte Technik und die starke stimmliche wie gestalterische Projektionskraft geben seinem Macbeth, Jago und Rigoletto ebensolche Autorität wie dem in tadellos markantem Deutsch gesungenen Holländer-Monolog. Die sprachliche Prägnanz ist in allen 14 Titeln des polyglotten Programms mustergültig. Das Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer sorgt für eine Begleitung auf angemessen hohem Niveau.
Der Georgier Lado Ataneli hat sich in den letzten Jahren zu einem der führenden Vertreter des italienischen Baritonfachs ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nach Giulietta Simionato und Giuseppe Taddei ist nun innerhalb weniger Wochen ein weiterer italienischer Gesangsheros der Nachkriegszeit dahingegangen. Der Bassist Cesare Siepi starb am 5. Juli in Atlanta im Alter von 87 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Seine Karriere dauerte länger als ein halbes Jahrhundert. Obwohl sein Repertoire für einen Italiener...
Auch mehr als hundert Jahre nach ihrer Entstehung gehört Claude Debussys einzige Oper noch immer zu den großen Herausforderungen des Musiktheaters. Wie in Wagners «Tristan» (der in Maeterlincks Drama – Debussys Textvorlage – ständig als Bezugspunkt im Hintergrund spukt) ist auch in dieser Dreiecksgeschichte aus Liebe, Eifersucht und Tod alle Handlung nach innen...
Ein «Traktat über die heilende Kraft homosexueller Liebe» nannte der Librettist E. M. Foster Benjamin Brittens Oper «Billy Budd». Doch spielte dies in der Rezeptionsgeschichte des Werks kaum eine Rolle. Zum Thema Männerliebe verhielten sich die Engländer, zumal die Vertreter der Mittel- und Oberschicht, lange ambivalent. Gern zitierte man in diesem Zusammenhang...
