Kindestraum(a)
In der Gewohnheit ruhe das Behagen, fand Goethe. Damiano Michieletto kann dem Dichterfürsten in dieser Hinsicht wohl wenig abgewinnen; seine Inszenierungen suchen das Andere, Ungewohnte. So ließ er Puccinis «La Bohème» bei den Salzburger Festspielen teilweise in einem vermüllten Matratzenlager spielen, verortete Verdis «Falstaff» an gleichem Orte in der Mailänder Casa di Riposo per Musicisti, oder Mozarts «Idomeneo» im Theater an der Wien in einer Endzeitlandschaft nach dem Großen Krieg auf blutdurchtränkter Erde.
Jenen, die im Goethe’schen Sinne das Gewohnte kuschelig finden, stieß das alles natürlich sauer auf. Modernere Geister freuten sich darüber, dass der Regisseur Oper nicht bloß als Konsumobjekt sieht, sondern stets die kleinen grauen Zellen anzuregen sucht.
Dies tat Michieletto nun auch bei Brittens «Sommernachtstraum» – erneut im Theater an der Wien. Auf die Idee, die Handlung in einer Schule nachspielen zu lassen, das Geschehen quasi aus der Weltsicht junger Menschen zu erklären, ist freilich schon mancher gekommen. Man denkt an Peter Konwitschny und seinen Hamburger «Lohengrin» 1998 und an manch anderen, der entweder Konwitschnys Idee aufgriff oder von sich aus zu ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard Persché
Seit mehr als 40 Jahren leistet in Salzburg das Festival «Aspekte» wertvolle Dienste für Musik unserer Zeit. Seit 2006 setzt der Komponist und Pädagoge Ludwig Nussbichler als künstlerischer Leiter klare thematische Schwerpunkte. Für die heurige Ausgabe fand er das Motto «Moving Pictures». Der tönende Blick in die Welt des Films sollte mehr als nur illustrative...
Versunken sitzt er da. Die Schultern eingezogen. Die Arme auf dem provisorischen Schreibtisch ausgebreitet. Tief gebeugt über das unvollendete Werk. Als laste alles Unrecht unter der Sonne auf ihm. Als drücke der Erdenkreis ihn nieder, um dessen schreiend zartes, wimmernd wunderbares Klangbild er hier, in der Stille der römischen Villa Massimo, kämpft. Ein...
Der eine ist 45, der andere knapp älter; über die Jahre juveniler Bilderstürmer sind sie beide eigentlich längst hinaus. Und beide, Jérémie Rhorer wie Teodor Currentzis, verströmen nicht nur jugendliches Flair inklusive der trotzig in die Stirn wirbelnden Haarsträhnen, sondern mischen als Mozart-Dirigenten zugleich das traditionelle Bild des gelassenen Klassikers...
