Blanke Busen, wackelnde Hintern

Dresden, Lehár: Die lustige Witwe

Opernwelt - Logo

Wenn große Opernhäuser sich der Operette widmen, darf man Besonderes erwarten. Denn der Einsatz vokaler und orchestraler Veredelungsmittel impliziert zugleich den Anspruch, den Stücken einen Erkenntnisgewinn über den puren Unterhaltungswert hinaus abzuverlangen. An der Dresdner Semperoper war das zuletzt mit Emmerich Kalmans von Peter Konwitschny in die Schützengräben des Ersten Weltkriegs verlegter «Csárdásfürstin» gelungen – eine Großtat, an die das Haus jetzt mit seiner «Lustigen Witwe» durchaus hätte anknüpfen können.

Der Name Jérôme Savary auf dem Programmzettel signalisierte allerdings, dass es diesmal nicht um szenische Auseinandersetzung gehen sollte, sondern eher darum, dem kriselnden Haus eine Bustouristen-kompatible Cash-Cow zu verschaffen. Auch die Verpflichtung der vokal abgehalfterten Volksmusik-Nase Gunther Emmerlich als Baron Zeta muss wohl als verzweifeltes Signal in diese Richtung interpretiert werden.
Savary liefert denn auch, was man von ihm erwartet: blanke Busen und wackelnde Hintern, stolpernde Gar­çons und kreischende Grisetten. Paris, wie es singt und lacht. Die genervte Reaktion des Premierenpublikums zeigt allerdings, dass auch in Deutschland die Ansprüche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2008
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Macht des Prinzips

Christof Nel ist ein Meister des psychologischen Symbolismus. Es passt zu diesem Regisseur, dass er im Programmheft der «Don-Carlo»-Neuproduktion bekennt, der Regie-Fachausdruck der «szenischen Lösung» sei ihm zuwider. Richtig so. Opernszenen gehören nicht punktuell «gelöst», sondern all ihre Details auf das gedankliche Großkonzept bezogen. Unvergessen ist, wie Nel...

Die Kunst des Diskreten

Ein Aufruf zur Stille ist immer gut. Auch ­Angelo Polizianos Auseinandersetzung mit dem Orpheus-Stoff beginnt mit einem «Silenzio». Irgendwie ist dieses Gebot bezeichnend für die gesamte Aufführung des Ensembles «La Compagnia dell’Orpheo» unter Francis Biggi. Durchweg siegt die Kunst des Diskreten. Es ist eine Musik, die über weite Strecken ohne Forte auskommt, in...

Sympathie mit dem Tode

Der erste Körperkontakt ist spielerisch und zynisch zugleich. Isolde greift nach Tris­tans Hand. Sie zieht diese Hand förmlich aus dem Ärmel ihres geliebten Todfeindes. Sie tut so, als wäre es umgekehrt, als hätte Tristan nach ihr gegriffen. Sie spielt, Hand in Hand, eine Szene, die in Kürze stattfinden wird: Tristan führt Isolde ihrem künftigen Ehemann zu, dem...