Klang-Raum

Berlin hat sich viel vorgenommen zum Spielzeitauftakt. Allein die Komische Oper spannt unter ihrem neuen Intendanten Barrie Kosky den Bogen von Monteverdi zu Olga Neuwirth. Die Deutsche Oper stellt sich unter ihrem ebenfalls neuen Intendanten Dietmar Schwarz in den Dienst von Helmut Lachenmanns «Mädchen mit den Schwefelhölzern» – und eint sich in der Aufgabe. Die Staatsoper setzt ihren (mit Mailand kopoduzierten) «Ring» unter der Leitung von Daniel Barenboim fort. Beim Musikfest Berlin dirigiert Simon Rattle «Porgy and Bess» und John Adams seine Oper «Nixon in China». Und das ist noch längst nicht alles. Mehr über die Berliner Ereignisse auf den ersten zwölf Seiten. Es folgen Berichte vom (ebenfalls vielgestal­tigen) Saisonstart in der Schweiz und in Frankfurt. Drei Rückblicke auf die Festspielzeit schließen unseren umfangreichen Focus ab. Sie gelten Zimmermanns «Soldaten» in Salzburg, der Ruhrtriennale und dem Rossini Festival in Pesaro.

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Es sei eben wie das sprichwörtliche Baumpflanzen, sagt Lachenmann im Publikumsgespräch vor der Aufführung. Etwas, das man wenigstens einmal gemacht haben will: «einmal im Leben eine Oper schreiben». Mündlich verwendet er den traditionsbelasteten Begriff «Oper» ganz unbefangen, sein «Mädchen mit den Schwefelhölzern» trägt allerdings den Untertitel «Musik mit Bildern».

Je mehr von Lachenmanns Texten man liest, desto vorsichtiger wird man mit ­einer Interpretation (dafür, dass er wieder und wieder betont, ein Komponist solle nicht reden, sondern schaffen, hat er sehr viel geschrieben), doch scheint der Musik einen klarer Vorrang einzugeräumt zu werden. Kann man von Musiktheater überhaupt sprechen – oder ist das «Mädchen» letztlich ein Hörspiel, das der Bilder gar nicht bedarf?

Lachenmann nutzt Stimme und Sprache. Eine Erzählhaltung verbindet sich (ähnlich wie bei John Cage oder Heiner Goebbels) damit jedoch nicht. Es kommt ihm auf «musikalische Situationen» an, auf «Landschaften», und Hans Christian Andersens Märchen bietet dazu viele Möglichkeiten. So minimalistisch die Handlung bleibt, so reichhaltig ist das Märchen an Situationen, die in Klang gefasst werden können: In der ...

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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Wiebke Roloff

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