Nicht zu viel versprochen
Gioachino Rossinis eigene Aussagen über seine «Ermione» wirken auf den ersten Blick widersprüchlich. Einmal bezeichnete er das 1819 für Neapel geschriebene Werk als seinen «kleinen italienischen Wilhelm Tell», dessen Zeit wohl erst nach seinem Tod kommen werde. Dann wiederum behauptete er gegenüber Ferdinand von Hiller, «Ermione» sei eine «sehr langweilige» Oper, in der alles «recitativisch und declamatorisch» abgehandelt werde. Rossini äußerte sich allerdings häufig selbstironisch.
Fazit: Der Komponist war sich durchaus bewusst, dass er mit diesem experimentellen Werk die Aufnahmebereitschaft seines Publikums überstrapaziert hatte.
Nun hat sich das Volkstheater Rostock als erste deutsche Bühne an eine Rehabilitierung der auf Racines Trauerspiel «Andromaque» zurückgehenden azione tragica gemacht. Mit dem Übertitel «Belcanto Fest», der über der Aufführungsserie prangt, hat man nicht zu viel versprochen. Auch wenn Rossini Chor und Szenen, deklamatorische Passagen und Arien stärker als für damalige Verhältnisse üblich verwebt, so fand er dazwischen doch reichlich Gelegenheiten für wahres Koloraturenfeuerwerk. In Rostock hat man spezialisiertes Personal gefunden. So legt Jasmin ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Carsten Niemann
Als der Jazzpianist Keith Jarrett Ende der 1980er-Jahre Bach aufzunehmen begann, zeugte sein Spiel von einer Haltung unbedingter Reverenz. Wie einem heiligen Monument schien er sich dem «Wohltemperierten Klavier» oder den «Goldberg-Variationen» zu nähern. Mit der dem Augenblick abgerungenen Freiheit, die Jarrett in seinen Soloimprovisationen zelebrierte, hatte das...
Eine «bergmännische Operette» im sächsischen Annaberg, wo man einst nach Silber grub, Spitzen klöppelte und Borten wirkte? Ein Stück von «Vogelhändler»-Zeller, mit einem Kumpel, der lieber Kegel schiebt, als unter Tage nach dem Rechten zu sehen? Mit einer Comtesse, die inkognito dem vom Papa bestimmten Bräutigam entwischt, und einem als Lehrling auftretenden...
Und so werden sie sich in der kommenden Saison alle ums wärmende Feuer der Vergangenheit versammeln. Oder ist es doch mehr eine Séance? Wenn, dann werden jedenfalls aus sehr unterschiedlichen Gründen Geister beschworen. In Lyon, wo mit Klaus Michael Grübers «Poppea», Heiner Müllers «Tristan» und der «Elektra» von Ruth Berghaus Legendäres wiederauferstehen soll....
