«Und jetzt noch die Reblaus»

Wien im Russenfieber: Vera Nemirova und Seiji Ozawa deuten «Pique Dame», das Mariinsky-Theater gastiert mit «Eugen Onegin» und Prokofjews «Der Spieler»

Opernwelt - Logo

1955 wurde im «Simplicissimus» eine be­­rühmt gewordene Karikatur gedruckt. Darauf der österreichische Kanzler Julius Raab mit Zither, Wienerlieder schnulzend, umgeben von schniefenden Sow­jets. Dazu Außenminister Figl als me­phis­tophe­lischer Einflüsterer: «Und jetzt noch die ‹Reblaus›, und dann sans waach». Als Resultat dieser von Ethanol bestimmten Meetings, in denen die Österreicher ihre russischen Verhandlungspartner schlicht unter den Tisch gesoffen haben sollen, kam es zum Staatsvertrag, der die Besatzung Österreichs durch die Siegermächte beendete.


Das damals demonstrierte Einvernehmen manifestiert sich bis heute nicht nur im monströsen Denkmal der Roten Armee auf dem Wiener Schwarzenbergplatz, sondern im Interesse russischer Oligarchen an der österreichischen Wirtschaft. Nicht zu vergessen Anna Netrebko, die sich vor Kurzem ja um die österreichische Staatsbürgerschaft bewarb. Auch ihr Entdecker Valery Gergiev findet sich häufig ein, am Pult der Wiener Philharmoniker oder mit seinem St. Petersburger Mariinsky-Ensemble. Diesmal trug er mit Letzterem im Theater an der Wien zu russisch-wienerischen Opernwochen bei.
Deren Höhepunkt war freilich die Premiere von Tschaikowskys ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Potpourri

James MacMillans zweite Oper spielt mit dem Mythos, doch die Handlung ist in der nahen Zukunft angesiedelt, in einem Schottland oder Britannien, wo Gewalt die Gewalt regiert. Die Führer zweier verfeindeter Parteien wollen Frieden schließen. Eine Bedingung für den Deal: Sian, die Tochter des Generals, heiratet dessen langjährigen Rivalen Mal. Doch Sians früherer...

Schwacher Einstieg

Ulrich Peters hat zu Beginn seiner Intendanz am Gärtnerplatztheater auf einen großen Namen gesetzt und mit dem siebzigjährigen Alfred Kirchner (dessen Inszenierung der «Soldaten» 1987 in Frankfurt ebenso unvergessen ist wie sein «Lohengrin» auf dem Campingplatz in Oslo) dennoch nicht das große Los gezogen. An zwei zentralen Figuren wird die Crux der Inszenierung...

Abgedrehter Tango

Als Regisseurin von Filmen wie «Orlando» oder «The Tango Lesson» genießt Sally Potter Kultstatus. Nun gab sie an der English National Opera mit Bizets «Carmen» ihr Regiedebüt im Musiktheater. Die Produktion eröffnete die neue (manche Beobachter fürchten: letzte) Spielzeit der ENO. Potter, die ihre Karriere als Tänzerin begann, meinte eines der mit diesem Stück...