Schlitzohr Haydn
Das Epos als Wundertüte. Egal, wo man sich in die sechsundvierzig Gesänge von Ariosts «Rasendem Roland» hineinliest, es geht meist tollkühn zur Sache. Grundthema ist der Konflikt zwischen Christen und Heiden. Daraus hat Ariost ein Abenteuer-, Unterhaltungs-, Ritter-, Schelmen-, Comedy- und Fantasybuch komponiert, dessen Platz im Tempel der Weltliteratur bis heute unangefochten ist.
Von Carlo Francesco Badini stammt das Libretto zu einer Oper, an deren Vertonung Joseph Haydn eher zufällig geriet.
Der Stoff dürfte so recht nach dem Geschmack des humorigen Haydn gewesen sein: Der dem Wahnsinn verfallene Ritter Orlando, Franke und nebenbei Neffe Karls des Großen, stellt einer chinesischen Prinzessin mit dem gänzlich unasiatischen Namen Angelica nach; die aber liebt einen Krieger namens Medoro. Aus Angst wendet sich Angelica an die Fee Alcina, die das gute Ende herbeiführen soll. Zusätzlich gibt es einen notorischen Quertreiber, den Heiden Rodomonte, der allem Fränkischen und Christlichen am liebsten mit roher Gewalt zu Leibe rücken möchte.
Nach Antal Dorati im Jahr 1976 hat nun Nikolaus Harnoncourt eine neue Einspielung dieses «Orlando Paladino» vorgelegt – in einer um rund dreißig ...
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Man kommt nicht sofort darauf. Zu abstrakt klingt beim ersten Hinhören, bei der ersten Begegnung der Titel des neuen Stücks von Ruedi Häusermann, zu intellektuell überhöht, als dass man sogleich auf die Idee verfiele, es könnte sich bei «Gewähltes Profil: Lautlos» ganz und gar profan um eine Einstellung handeln, die sich auf den meisten Mobiltelefonen findet. Eben...
