Szenische Kälte, musikalische Glut
Im Jahr 2007 ließ das Theater Regensburg mit einer fulminanten Produktion von Alban Bergs «Lulu» aufhorchen. Nun folgte, ein Abschiedsgeschenk von und für Generalmusikdirektor Raoul Grüneis, der «Wozzeck». Regie führte Ballettchef Olaf Schmidt, und er animierte mit tänzerischen Ausdrucksmitteln weitere inhaltliche Dimensionen des formal extrem durchgebildeten Stücks. Das Ballettensemble gestaltete, mal reflektierend, mal vorausweisend, die Zwischenspiele überaus eindringlich. Als vielfältig variiertes Grundelement der Bühne diente eine Art Kraftwerksturbine.
Darin agierten die Darsteller in silbrigen Weltraumanzügen. Das sollte Bedrohlichkeit vermitteln, wie sie von Tschernobyl ausging und ausgeht. Büchners und Bergs Personen sind bekanntlich geteilt. Es gibt «Die da oben», und es gibt (sogar leitmotivisch herausgearbeitet) «Wir arme Leut». Aus diesem Kontrast erwächst für die «armen Leut» eine permanente Bedrohung, die fühlbar, aber nicht greifbar ist. In Regensburg werden Bergs auf konkrete Orte oder Zustände bezogene Szenen technologisch kalt ins Bild gesetzt. Das führt oft dazu, dass Bedrohung zur Drohgebärde schrumpft. Das stärkste Bild gelingt in der Szene zwischen Wozzeck ...
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