Passion der Glücksritter

Strawinskys «The Rake’s Progress» in Frankfurt und Düsseldorf

Opernwelt - Logo

Wer derzeit durch die internationalen Opernpläne scrollt, staunt nicht schlecht: Just Igor Strawinskys «The Rake’s Progress», der nach der venezianischen Uraufführung im Jahr 1951 in den Augen progressiver Kreise den Ruf vom «Reaktionär» Strawinsky eindrucksvoll zu bestätigen schien – diese einzige «echte» Oper des russischen Weltbürgers erfährt derzeit etliche szenische Wiederbelebungen.

Was manchen Kritikern Anlass gibt, genussvoll über das Altern der Moderne zu meditieren und Strawinskys Gegenposition zu Dodekaphonie und Musikdrama als letztlich siegreiche Alternative zur Avantgarde zu feiern (der sich Strawinsky übrigens direkt nach der Premiere des «Rake» im einzigartig kargen Spätwerk selbst anschloss).

Da aber solche ästhetisch-ideologischen Debatten selten den Alltag der Spielplangestaltung bestimmen, könnte eine andere Fragestellung den «Rake»-Boom ausgelöst haben: Wie würde die Karriere des Träumers und rücksichtslosen Selbstverwirklichers Tom Rakewell, in der sich Elemente des «Faust», aber auch des aufhaltsamen Aufstiegs Hitlers niederschlugen, heute verlaufen – in einer Welt der globalen Glücksritter, der steigenden Armut und brutalen Freiheitsberaubung in den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Michael Struck-Schloen

Weitere Beiträge
Das Entscheidende steht nicht in den Noten

Herr Thielemann, der Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus hat sinngemäß einmal gesagt, ein Dirigent sei halb Feldherr, halb Zauberer. Wie sehen Sie sich selbst?
Das mit dem Zauberer gefällt mir. Ein Zauberer muss ja auch auf Menschen einwirken. Manchmal mit Tricks (lacht), vor allem aber mit Handwerk und Hintergrund. Wie man die Fäden zieht, hängt von den Mitspielern...

Fähnchen in der deutschen Opernlandschaft

«Können einem toten Mann nicht helfen» – ob Bertolt Brecht mit seinem Kampfruf aus «Mahagonny» auch das Handlungs- und Literaturtheater meinte? Immerhin hat es sich auch nach dem Krieg, in Opern von Hans Werner Henze bis zu Christian Jost, als erstaunlich lebensfähig erwiesen. Daneben aber entstand, vor allem an experimentell gesonnenen Häusern oder auf Festivals...

Große Dirigenten im heiteren Genre

Bevor er sich Ende der 60er-Jahre ganz von der Oper abwandte, war Carlo Maria Giulini nicht nur ein Experte in Sachen Mozart und Verdi, sondern unzweifelhaft auch der beste Rossini-Dirigent seiner Zeit. Dennoch hat er dessen Hauptwerk, «Il barbiere di Siviglia» nie im Studio aufgenommen. Es existieren allerdings Mitschnitte einer italienischen Fernsehproduktion von...