Der Glücksucher
In der an tumultuarischen Premieren- und Uraufführungskrächen nicht armen Musikgeschichte gehört der 31. März 1913 zu den Top Acts. Bei einem von Arnold Schönberg dirigierten Konzert im Großen Musikvereinssaal zu Wien stehen neben Schönbergs erster Kammersymphonie die «Sechs Stücke für Orchester» von Anton Webern, die Nummern 2 und 3 aus Alban Bergs «Fünf Orchesterliedern nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg» sowie Lieder von Zemlinsky und Mahler auf dem Programm.
Gelächter, Zischen, Unruhe schon bei Webern und Schönberg; der gemäßigte Zemlinsky beruhigt das Publikum etwas. Während der Aufführung von Bergs Liedern gibt es dann kein Halten mehr: Es setzt Ohrfeigen, die Polizei muss einschreiten, das Konzert wird abgebrochen, einige Kombattanten treffen sich später vor Gericht.
Die Szene gehört in jede Berg-Biografie. Auch in die von Barbara Meier, ohne dass sie dort überzeichnet wird. Vielleicht verzichtet Meier deshalb bewusst auf die Pointe, dass im Publikum der Operettenkomponist Oscar Straus anwesend ist, der später als Zeuge vernommen wird und, gefragt, ob er die Ohrfeige gehört habe, antwortet: «Sicher […], ich habe sie auch vernommen, denn sie war das weitaus ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Götz Thieme
alpha
04.11. – 20.15 Uhr
Tschaikowsky: Der Nussknacker
1892 in Sankt Petersburg uraufgeführt, zählt «Der Nussknacker» zu den weltweit meistgespielten Balletten. Bei der Neuproduktion des Dresdner Semperoper Balletts arbeitete der aus Kanada stammende Ballettdirektor Aaron S. Watkin eng mit der berühmten Dresdner Palucca-Schule zusammen.
Sächsische Staatskapelle, ML:...
Die Schlüsselfigur: ein Dichter. Schon vor Beginn der eigentlichen «Handlung» in Thomas Larchers Kammeroper «Das Jagdgewehr» ist er unwillentlich zu ihrem Auslöser geworden, hat er doch nach flüchtiger Begegnung mit einem Jäger dieses Erlebnis sogleich poetisch verarbeitet. Es war ihm so vorgekommen, als drücke die Churchill-Doppelflinte des Fremden, der mit...
Ich habe die Geschichte von einer Freundin, die vor Jahren als Dramaturgin im altehrwürdigen Theater der Residenzstadt B. arbeitete. Sie machten damals Offenbachs «Barbe-Bleue». Schwieriges Stück, weil durch das Frivole die politische Dimension dieser Opéra-bouffe hindurchschimmert, man aber genau das nur zart andeuten darf, will man nicht die 1001. moralinsaure...
