Opernplunder und Musiktheater
Die Expansion des DVD-Marktes hat bei den großen Opernhäusern (und nicht nur bei den großen) einen oftmals wenig selbstkritischen Veröffentlichungseifer freigesetzt. Da wird manches für die Ewigkeit konserviert, was den Ruhm des Instituts nicht mehrt, vielmehr dazu angetan ist, gewachsene Legenden zu zerstören.
Drastisches Beispiel: Die Mailänder Scala und ihre Inaugurazione 2003 mit Rossinis «Moïse et Pharaon». Das Filmdokument bietet hier nicht mehr als einen weiteren Beleg für die Prima-la-musica-Diktatur in der viel zu langen Ära Riccardo Mutis.
Auch wenn diese Oper Züge eines szenischen Oratoriums trägt, eine gewisse Statuarik also vorgegeben ist, muss man die Arrangements von Luca Ronconi als einen Triumph der Einfallslosigkeit ansehen (was ebenso für die zwanzigminütige Balletteinlage im dritten Akt gilt). Pappmaché-Figuren wandeln durch die Szenerie Gianni Quarantas, die Wüste und Rotes Meer in den einheitlichen Bühnenrahmen eines mit Barockelementen verzierten gotischen Domes zwängt. Diese Verschachtelung soll offensichtlich eine Analogie zur Judenverfolgung durch die Ägypter/Holocaust durch die Christen suggerieren.
Muti lässt in Mailand nicht die italienische ...
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