Borderline-Passion
Ausgerechnet der als Regietheaterschreck in Verruf geratene Tilman Knabe hat mit seiner gesellschaftskritischen Sicht auf Wolfgang Rihms Kammeroper «Jakob Lenz» für den späten Saisonhöhepunkt am Nürnberger Staatstheater gesorgt. Dass das begeisterte Publikum nach der Premiere gar nicht aufhören wollte mit dem Applaudieren, hat gute Gründe. Die Musik der 1979 uraufgeführten Kammeroper ist zwar komplex, aber dank vieler Zitate und ausgefeilter Charakterisierungskunst durchaus eingängig. Mit irrlichternder Zartheit und expressiver Wucht geht es hier ans Eingemachte.
Nur elf Instrumentalisten unter dem umsichtig dirigierenden Guido Johannes Rumstadt genügen, um ein zwischen Tonalität und Atonalität changierendes Klanguniversum zu schaffen, das auch spricht, wenn die ausdrucksstarken Stimmen der drei Solisten und des sechsköpfigen Vokalensembles schweigen, das die Visionen und Wahnvorstellungen der Hauptfigur hör- und erlebbar macht.
Wie der von Georg Büchner dem Vergessen entrissene Schriftsteller scheitert auch Rihms Jakob Lenz (Libretto: Michael Fröhling) nicht nur an der Liebe und seinen Neidern. Sondern vor allem an den Stimmen in seinem Kopf – und in Nürnberg auch an der Welt, ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Monika Beer
Als ich Michael Kraus zum ersten Mal in Glyndebourne begegnete, beeindruckten mich nicht nur seine Stimme und Bühnenpräsenz, sondern auch die nüchterne Haltung zum Sängerberuf. Er ist ein Künstler, der Lob scheut, sich nichts vormacht. Beste Voraussetzungen für die Aufgabe, die er ab 2020 übernimmt: die Leitung des neuen Opernstudios an der Wiener Staatsoper.
Mic...
Das O am Namensende ist kein Schreibfehler. «Antigono» – so heißt ein Libretto von Pietro Metastasio, das erstmals 1743 von Johann Adolph Hasse vertont wurde und eine beachtliche Karriere hinlegte: Wohl mehr als 50 Komponisten brachten ihre eigene Version heraus, darunter Christoph Willibald Gluck. Sein 1756 in Rom uraufgeführter «Antigono» stand im Mittelpunkt...
Nicht nur im Vergleich mit den beiden anderen deutschen Festivals zu Ehren des Meisters (in Göttingen und Karlsruhe), sondern weltweit bieten die Hallenser Händel-Festspiele Halle das größte Barockmusik-Fest seiner Art. In diesem Jahr waren es an 17 Juni-Tagen 111 Veranstaltungen mit 58 000 Gästen, die Auslastung lag bei 87 Prozent. In puncto künstlerischer Rang...
