Das Geisterhaus

Magdeburg: Britten: The Turn of the Screw

Opernwelt - Logo

Dieses Stück bleibt ein Rätsel. Was passiert denn nun wirklich im einsamen Gutshaus Bly? Sprechen die Geschwister Flora und Miles mit Gespenstern, oder steigert sich ihre Gouvernante nur in Wahnvorstellungen hinein? Myfanwy Piper, die Librettistin von Benjamin Brittens «Turn of the Screw», hält es da mit Henry James, dem Autor der literarischen Vorlage: Der habe sich bewusst darauf beschränkt, eine Atmosphäre des Bösen zu schaffen, die jedermann nach seiner eigenen Fantasie deuten könne.

Auch Regisseur Christian von Götz und sein Ausstatter Lukas Noll gehen in ihrer Magdeburger Inszenierung diesen Weg, weigern sich, eindeutig zur Kindesmissbrauch-Frage Stellung zu beziehen.

Souverän kreieren sie die «Atmosphäre des Bösen» mit den Stilmitteln des klassischen Horrorfilms: Nebel wallen, es blitzt (donnert aber nicht), von Szene zu Szene mutiert der zunächst sommerlich-lichtdurchflutete Landsitz mehr zum Geisterhaus. Die Optik ist dabei zugleich historisch und heutig: Hohe Fenster und das edle Muster der silbrig schimmernden Tapete schaffen ein herrschaftliches Ambiente, Flora und Miles folgen dem Dresscode moderner Teenager. Zunächst meint man, ein Einheitsbühnenbild vor sich zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Frederik Hanssen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Technik führt Regie

Ursprünglich nannte Walter Braunfels seine Oper «Die heilige Johanna». Und das Libretto basiert auch nicht, wie meist angegeben, auf den Prozessakten, die er gar nicht lesen konnte, sondern auf George Bernard Shaws gleichnamigem Erfolgsstück. Es ist eine klassische Literaturoper mit Einsprengseln aus Shakespeare, Schiller und dem Urteil der historischen Jungfrau...

Editorial Dezember 2010

Berlins Opernhäuser machen wieder einmal von sich reden. Weniger, weil sie zuletzt auf künstlerischem Gebiet für Begeisterung gesorgt hätten, sondern  weil die Musiker an zwei der drei großen Bühnen Aufführungen bestreikten. Mal fanden die Ballett-Fans an der Deutschen Oper nach der Pause einer «Schwanensee»-Vorstellung den Orchestergraben leer. Mal sah sich das...

Puccinis Prekariat

 

Den Künstlern des beginnenden 21. Jahrhunderts dürften die Sorgen von Puccinis Bohemiens nur allzu bekannt vorkommen. Mit einem Durchschnittseinkommen unter
15 000 Euro jährlich arbeiten die allermeisten der etwa 300 000 Kunstschaffenden in Deutschland in Sichtweite von Hartz IV. Auch wenn sie mittlerweile immerhin krankenversichert sind, kämen die meisten...