Blick ins Innere

Markenzeichen der Bregenzer Festspiele ist die gigantische Seebühne. In diesem Jahr hat Johannes Leiacker ein Big-­Brother-Auge darauf gebaut: «Tosca» im Polizeistaat, aber auch als Reise ins Innere. Im Festspielhaus inszeniert Yoshi Oida Brittens «Tod in Venedig» in unspektakulär strengen Bildern. Schwetzingen eröffnet den Mannheimer Mozartsommer – mit einer musikalisch grandiosen Aufführung von «Lucio Silla» unter Adam Fischer. In Bu­dapest stemmte der künftige Chef der Ungarischen Staats­oper jüngst «Rheingold» und «Walküre» – und gibt Auskunft über seine Pläne. Die Verbindung mit einem bestimmten Komponisten pflegt nicht nur Bayreuth: In Erl betreibt Gustav Kuhn im zehnten Jahr seinen Wagner-Zirkus, während man in Pesaro wieder die Rossini-Fahne schwenkt. Dazu mehr auf den folgenden Seiten.

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Wenn’s denn ein Kalauer sein darf: Das Auge war in aller Munde. Johannes Leiacker hat es für Giacomo Puccinis «Tosca» auf der 700 Tonnen schweren und sieben Millionen Euro teuren Bregenzer Bodenseebühne entworfen, 50 Meter breit, 30 Meter hoch. Seine Pupille kann ausgeklappt, gedreht und geschwenkt werden. Dann ist sie die zentrale Spielfläche.

Das Bregenzer Auge ist, der Gräfin Attavanti abgeguckt, Teil des Kirchengemäldes, mit dem Cavaradossi die Eifersucht Toscas weckt, und es steht unter anderem auch für den totalen Überwachungsstaat des Polizeichefs Scarpia, dessen Geheimdienst alles sieht.
In diesem Auge finden sich Scarpias Folterkammern, und aus ihm tönen die grässlichsten Schmerzensschreie, die der malträtierte Oppositionelle und verhass­te Nebenbuhler Cavaradossi je hören ließ. Kein Wunder, dass die Adern des Auges sich auch mal blutgetränkt darbieten. In diesem Auge wird mit allem römischem Pomp das «Tedeum» gesungen, dieweil unterm inzwischen aus dem See emporgewachsenen, 14 Meter hohen Stahlkreuz die politischen Häftlinge ­reihenweise abgeknallt werden. Lange wirkt Leiackers Auge malerischer, flächiger und somit enttäuschender als die Bühnenskulpturen, die vordem den ...

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Opernwelt September/Oktober 2007
Rubrik: Festspiele I, Seite 36
von Heinz W. Koch

Vergriffen
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