Hohe Frauen, hysterische Männer
Schon die ersten Takte der Ouvertüre, von der Hofkapelle München unter dem Energiebündel Michael Hofstetter markig musiziert, reißen den Hörer in die Welt des Sächsischen Hofes von 1742 hinein. Das ist berauschend feurige Musik, die Spaß macht. Und sie kann nicht nur die Muskeln spielen lassen, sondern im dritten Satz der Eröffnungs-Sinfonia, einem höfischen Menuett, auch schmachtend galant sein.
Dann wird in einem kurzen Secco-Rezitativ die Ausgangslage von Johann Adolph Hasses «Didone abbandonata» exponiert: Aeneas muss nolens volens Dido verlassen, um seinen historischen Auftrag zu erfüllen, Italien zu gründen. Das Secco geht in ein Accompagnato über, das die Gewissenskonflikte des zwischen Liebe und Pflicht zerrissenen Helden schildert und in den auf Don Ottavio («Il mio tesoro... ditele...») vorausweisenden Ausruf «Ah che parlar non so. / Spiegalo tu per me. – Ach, dass ich nicht sprechen kann. Erklär du es ihr für mich» mündet. Peinliches Schweigen: «Che vuol dir quel silenzio?» Hofstetter dehnt die Pause unerträglich lang: Ein Dirigent, der mitdenkt. Man ist elektrisiert. Und so geht es fort. Mit schroffen Temporückungen, affektbetonter Artikulation und abgerissenen Phrasen ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Boris Kehrmann
Paul Hindemith ist ein seltener Gast auf der Opernbühne. Vor Kurzem hat Bonn das frühe Einakter-Triptychon gespielt (OW 11/2012), jetzt wagt Münster sich an die Zeitsatire «Neues vom Tage», die 1929 an der Berliner Krolloper uraufgeführt wurde. Hindemith hat sich für dieses musikalische Spektakel mit dem Kabarettpoeten Marcellus Schiffer zusammengetan, der ihm ein...
Ein Neuanfang ist das nicht, auch kein Abbiegen auf un-bekanntes Terrain. Giacomo Puccini und Christian Thielemann, die beiden kennen sich. 2003 dirigierte Thielemann, damals noch GMD der Deutschen Oper Berlin, eine konzertante «Suor Angelica» an seinem Haus. Ein Jahr später folgte dort «La fanciulla del West», inszeniert von Vera Nemirova. Mehr Italienisches war...
Intendant Jens Neundorff hat seine erste Spielzeit am Regensburger Theater mit dem Motto «Zeit» überschrieben – und eine Adaption von Tom Tykwers Film «Lola rennt» (1998) auf den Spielplan gesetzt. Die Filmhandlung: Manni hat 100 000 Mark in der U-Bahn liegenlassen. Seine Freundin Lola hat 20 Minuten Zeit, das Geld aufzutreiben, sonst wird der, dem das Geld...
