Tagebücher von Verschollenen
Negativ sind die Zeichen in Franz Schuberts «Winterreise»: Ein Mädchen hat sein Eheversprechen gebrochen und offenbar einen materiell besser Situierten geheiratet; der tief Verletzte flieht in kalte winterliche Nacht. Der weitere Ablauf formt sich durch Reflexionen des Wanderers über Leben und Tod bis hin zum Nihilismus – Schuberts Tagebuch eines Verschollenen.
Ist der Zulauf, den dieser Zyklus heute wieder findet, Resultat eines allgemeinen Gefühls von Unbehaustheit in einer Welt materieller Orientierung und sozialer Kälte? In solchem Zusammenhang handelt der Zyklus ja auch vom modernen Menschen; sein existenzialistischer Grundton spricht heute viele an.
Den Zustand innerer Vereinsamung greift Konrad Jarnot (bei Oehms Classics) auf. Der englische Bariton studierte bei Rudolf Piernay an der Guildhall School of Music in London, war danach u. a. Schüler von Dietrich Fischer-Dieskau und ist seit einigen Jahren Professor an der Musikhochschule in Düsseldorf. Er lässt den Hörer, mit Worten von Werner Oehlmann gesprochen, «in einer nächtlichen Traumwelt wandeln, in der sein Auge, sobald es sich gewöhnt hat, die Grade des Dunkels wie Licht und Schatten unterscheiden lernt». Sein Held ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 23
von Gerhard Persché
Frau Breth, «Wozzeck» war Ihre erste Opernregie in Berlin. Man kann sich nicht vorstellen, dass Sie deswegen nervös werden. Oder doch?
Stimmt, es ist mir relativ wurscht, wo ich inszeniere. Die Bedingungen müssen gut sein. Mich interessieren das Werk, der Dirigent und die Sänger. Das kann sonstwo sein.
«Wozzeck» ist ein einsames Meisterwerk. Vereinfacht das Ihre...
Ist es das Auge Gottes? Eine riesige Linse spannt sich sich quer über die Bühne – die alles sehende, alles beobachtende, unverrückbare Konstante dieses Breslauer «Parsifals». Sie zeigt mythische Bilder: einen See, abstrakte Spiralen, kosmische Galaxien. Im Vordergrund kreist eine Treppe auf versenkbarer Drehbühne. Der Grundton ist ein arktisches Blau, es...
Dass der zweite Teil des neuen «Ring» an der Metropolitan Opera weniger enttäuschte als der (dürftig besuchte) «Rheingold»-Auftakt im letzten September, ist kaum überraschend. Die «Walküre» war durch die Bank stärker besetzt, wenngleich Deborah Voigts stimmliche Verfassung bei der Gestaltung der Titelrolle durchaus Wünsche offen ließ. Geprägt wird dieser «Ring»...
