Verkanntes Meisterwerk
Boitos «Mefistofele» hat in der Geschichte der Schallplatte eine Rolle gespielt, die in keinem Verhältnis steht zu der vergleichsweise bescheidenen Verbreitung des Werkes auf der Bühne. Kaum ein Tenor des italienischen Fachs hat es in den letzten hundert Jahren versäumt, sich mit den beiden Arien des Faust zu verewigen, kein lirico-spinto-Sopran hat Margheritas Kerkerarie «L'altra notte in fondo al mare» ausgelassen. Für Enrico Caruso und Beniamino Gigli war «Dai Campi, dai prati» sogar der Einstieg in die Schallplatten-Karriere.
Etwa ein Dutzend Aufnahmen der Oper, die bei der Uraufführung an der Mailänder Scala 1868 ausgepfiffen wurde, sieben Jahre später in gekürzter Form in Bologna aber einen Triumph erlebte, sind bereits auf CD veröffentlicht worden. Dabei sind einige Piraten-Mitschnitte noch gar nicht mitgerechnet. Doch eine in jeder Hinsicht befriedigende Interpretation ist nicht darunter. Das liegt vor allem an der Komplexität des Werkes: Traditionelle italienische Kantilene verbindet sich mit einer Orchesterbehandlung à la Berlioz und einem hochkarätigen Text, der dem Original Goethes so nahe wie nur irgend möglich kommt. Dirigentische Routine genügt da ebenso wenig wie ...
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Am Ende wird die Ehre der zu Unrecht des Ehebruchs beschuldigten Genoveva wiederhergestellt. Das Ehepaar umarmt sich, man denkt an den Schlusschor in «Fidelio»: «Wer ein solches Weib errungen...» Doch hier ist der Jubel nur verhalten, innig, tief, nicht überschwänglich. Genau da liegt das Problem. In Schumanns einzigem vollendeten Bühnenwerk fehlt meist, was Oper...
Ein trüber Novembernachmittag in Bayern, Volkstrauertag. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass in den Wohnzimmern Friedhofsruhe herrscht. Für viele Kinder des Sendegebiets ist die Stunde von fünf bis sechs der Höhepunkt des Wochenendes – vor dem Radiogerät. Auf Bayern 4 Klassik meldet sich Julia Schölzel, Moderatorin der Sendung «Doremikro»: Ins Studio ist ein...
Die Rolle ist der Schrecken aller Besetzungsbüros: Wenn ein Tannhäuser her muss, greifen selbst große Häuser zu Verlegenheitslösungen. Dass ausgerechnet das Theater Magdeburg einen Tenor aufbieten kann, der die schwierigste aller Wagner-Rollen tatsächlich singen kann, grenzt da schon fast an eine Sensation. Und doch ist der Amerikaner Lawrence Bakst ein echter...
