Zusammengeschustert?
Zoff bei Oberons. Der Elfenkönig liegt im Streit mit seinem Ehegespons Titania, es geht um die menschliche Treue. Diese rechtfertigen müssen daher der Ritter Hüon von Bordeaux und Rezia, die Tochter des Kalifen zu Bagdad, allerlei Wundersames und auch schwer Erträgliches durchstehen, ehe sie einander in die Arme fallen dürfen. So weit die Handlung von Webers «Oberon» (1826).
Dass die Aufführung des Stücks als schwierig gilt, hat auch mit einer Art von theatralem «Brexit» zu tun.
Denn dass der Komponist sich in diesem für London konfektionierten Stück bewusst einer späteren Abart einer typisch britischen Bühnen-Abart, der Masque, ausgeliefert hatte, wollte selbst Oskar Bie (in «Die Oper», 1913) nicht wahrhaben. Das Libretto sei, so Bie, aus Wieland und Shakespeare «zusammengeschustert», das Stück insgesamt «die reine Automatie von Figuren und Dekorationen […], keine Spur von Seele …». Genau dies aber war das Charakteristikum der Masque: dass Ausstattung und Allianz unterschiedlicher Theaterformen wichtiger waren als jedwede psychologische Durchdringung der Figuren. In deutschen Landen unterzog man «Oberon» indes immer wieder dramaturgischen Rettungsversuchen – unter den Nothelfern ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 46
von Gerhard Persché
Antonio Salieris «Tarare» ist ein veritabler Opernsolitär – zu einer Zeit, als das Musiktheater noch weitgehend normierte, standardisierte Konfektionsware bot. Anders als bei Mozarts oder Paisiellos Vertonungen von Beaumarchais’ beiden «Figaro»-Schauspielen handelt es sich bei dem 1787 an der Pariser Opéra uraufgeführten Werk um ein Originallibretto des...
Gutes Musiktheater spult Ereignisse nicht einfach ab – ein Meisterwerk kommt erst zustande, wenn es emotionale Wucht entfaltet. Dass die nötigen Zutaten in den konfliktgespickten Lebensläufen berühmter Maler schon bereitliegen, hat etwa Hindemith am Beispiel Matthias Grünewalds («Mathis der Maler») gezeigt. Jetzt befasste sich in Sydney ein neuer Zweiakter von...
Viele Namen wurden gehandelt, aber am Ende war es doch eine Überraschung: Den neuen «Ring» der Bayreuther Festspiele 2020 inszeniert der gerade 30-jährige «Ring-Award»-Preisträger Valentin Schwarz, die musikalische Leitung hat der Finne Pietari Inkinen, über dessen erstes Dirigat der Tetralogie im australischen Melbourne «Opernwelt» berichtete (siehe OW 1/2014)....
