Diamant, ungeschliffen
Schaut man nicht real hinunter in den Schlund, der an viel zu vielen Orten der Stadt gähnt, sondern imaginär hinauf zu den Musen im Olymp, dann könnte man meinen, es sei neuer Glanz eingekehrt in die Hütte. Leipzig, von nicht wenigen Kulturschaffenden nach wie vor als provinzielles Fürstentum der Kunst belächelt und seit Monaten durch die megalomane Baustelle Citytunnel in seiner Schönheit arg angekratzt, hat, als Stätte der Kultur, erkleckliche Anstrengungen unternommen, um sich in der Spitzengruppe der ersten Liga zu etablieren. Jedenfalls als Musikmetropole.
Historisch gerechtfertigt ist dieser Wille allemal, schließlich war Leipzig nicht nur die Wahlheimat von Gottvater Bach, hier wirkten auch Mendelssohn, Wiederentdecker von Bachs göttlicher Musik, Schumann und einige andere. Mit einem Wort: Es ist jede Menge Tradition im Spiel.
Wenn Leipzig sich nun einen Dirigenten vom Schlag Riccardo Chaillys leistet, geschieht dies nicht, wie manche Kritiker und nicht wenige Bürger der finanziell arg gebeutelten Stadt glauben, als ein Akt des Größenwahns, es geschieht als glaubwürdiger Akt der Behauptung einer geschichtlichen Kontinuität, die neben dem Gewandhaus-Dirigenten Mendelssohn ...
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Die pädagogische Absicht ihrer «Così» haben Mozart und Da Ponte schon im Untertitel vermerkt: Als «Schule der Liebenden» wollten sie ihr Partnertausch-Experiment verstanden wissen, und das darf bis heute jeder Zuschauer getrost auf sich selbst beziehen. Nur: Worin besteht das Lernziel dieser Unterrichtseinheit? Für Peter Konwitschny, der sich jetzt erstaunlich...
Er habe erstmals versucht, sich von Wagner abzuwenden, bekannte Walter Braunfels 1909 zu seiner «Prinzessin Brambilla». Die Form der Commedia dell’arte sollte alles Pathos, alle rauschhaft bezwingende Macht der Wagner’schen Musik bannen – durch ironische Brechungen und groteske Zuspitzungen. Man mag darüber streiten, ob das, mit Blick auf die «Meistersinger»,...
Es muss ja nicht gleich alles auf silvestertaugliche Nostalgiebilder hinauslaufen, die Strauß’ «Fledermaus»-Phantasmagorie aus der Spätphase der k. u. k.-Monarchie zur seligen Walzerparade verharmlosen, wenn der in Polka, Galopp und Dreischritt eingeschriebene Hintersinn des Stücks auf der Bühne Gestalt annehmen soll. Jene morbide Wiener Sozietät der Eisensteins,...
