Wahnsinn der Normalität

«Eugen Onegin» und «Elektra» an der Deutschen Oper am Rhein

Opernwelt - Logo

Zwei Werke, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben, Tschai­kowskys lyrische Szenen «Eugen Onegin» und Richard Strauss’ Musikdrama «Elektra», rückten bei einer Doppelpremiere an der Deutschen Oper am Rhein nahe aneinander. Beide Male sind es Alpträume der weiblichen Hauptfiguren, mit denen die Regisseure – Giancarlo del Monaco im «Onegin» und Stein Winge in der «Elektra» – uns konfrontieren.

Das ist für den im Wien Sigmund Freuds entstandenen Text Hofmanns­thals gewiss keine neue, umstürzende Lesart, wohl aber für Tschaikowskys musikalisches Schauspiel nach Alexander Puschkins Versroman.
Del Monaco hat sich von Johannes Leiacker einen Einheitsraum bauen lassen: eine schneeverhangene Todeslandschaft voller kahler, verkohlter Bäume – ein Einfall, für den Caspar David Fried­rich Pate stand. Surreal bedrü­ckend wird die realistisch imaginierte Szenerie durch Tatjanas eisernes Bett, ihren Flucht- und Rückzugsort, das uns als Requisit den ganzen Abend begleitet. Kalter, milchiger Nebel (Licht: Volker Weinhart), der sich kaum einmal aufhellt, taucht Handlung und Personen in ein lastendes Grau.
Vor diesem eindrucksvollen Bild, das die Kammerspiele Tschechows heraufbeschwört, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der kalkulierende Zweifler

Es wäre ja so leicht, den Allegro-Molto-Teil der «Don Giovanni»-Ouvertüre vorzubereiten, meinte Peter Gülke auf dem jüngs­ten Symposion im Berliner Institut für Musikforschung. Ein dezenter Auf­takt am Ende des einleitenden Andante, schlagtechnisch kein Problem. Genau das machte Furtwängler aber nicht. Er riskierte mit dem Allegro einen Neuanfang, beließ damit dem...

Panischer Stillstand

Eine prominente Auszeichnung in Deutschlands Medienwelt hatte Berlin in den letzten Jahren sicher: Bei der jähr­lichen Kritikerumfrage der «Opernwelt» bekam die Hauptstadt der Republik regelmäßig den Titel «Ärgernis des Jahres», die rote Laterne der Branche, zugesprochen. Mit dem, was auf den Bühnen passierte, hatte das meist nur wenig zu tun, umso mehr jedoch mit...

Die humane Klage

 

Renata Tebaldi, die 82-jährig in ihrem Haus in San Marino gestorben ist, verkörperte das ästhetische Ideal der veris­tischen Primadonna in vollendeter Ausprägung. Der Verismo war in der italienischen Oper in den ersten drei Jahrzehnten nach dem Krieg, in denen sich Renata Tebaldis Glanzkarriere entwickelte, noch keineswegs passé und blieb für die Art etwa eines...