Alles auf Neustart?
Ein maroder Theaterinnenraum aus dem bürgerlichen 19. Jahrhundert. 935 Nutzungseinheiten soll er nach dem Umbau hergeben, gigantische Einnahmen durch Verpachtung und Vermietung bringen. Das rechnet die Immobilienmaklerin dem Regisseur auf der Bühne vor und erklärt, bevor die Bautrupps mit der Abrissbirne anrücken: «Hier wird nicht mehr probiert, hier wird gemacht.
»
Das würde ein gutes Motto für Vera Nemirovas Interpretation von Peter Ruzickas und Peter Mussbachs «Hölderlin»-Oper abgeben, die seit der von einem Eklat um das Leitungsteam begleiteten Berliner Uraufführung 2008 (siehe OW 1/2009) nicht mehr nachgespielt wurde. Die Regisseurin muss wohl gespürt haben, dass der Mangel an narrativen Strukturen des aus Hölderlin-Zitaten und profanem Gegenwartsvokabular gemixten Stücks nach einer neuen Idee für die Bühne verlangt: Die Theater-Metapher, die auch das Scheitern Hölderlins an seiner Zeit aufgreift, ist so stark, dass sie die Vorlage zu ersticken droht. Zumal die Regie ins Ironische, stellenweise sogar in Richtung Klamauk steuert. Indem Nemirova den Konflikt der um ihre Daseinsberechtigung kämpfenden Künstler mit der kapitalistischen Profitlogik schildert, führt sie das Theater ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Alexander Dick
Der Startenor Adolphe Nourrit hatte 1829 in der Premiere von Rossinis «Guillaume Tell» die Rolle des Arnold gegeben; 1939/40 auch in Donizettis geplanter Oper «Les Martyrs» die Hauptrolle zu kreieren, war sein großer Wunsch. Es sollte nicht sein: Der von Depressionen geplagte Sänger stürzte sich im März 1839 aus einem Fenster in den Tod. Mit dem amerikanischen...
Der Katalane Hèctor Parra (Jahrgang 1976) gehört zu den renommiertesten Komponisten der jüngeren Generation. Und zu den originellsten Vertretern einer neuen Ästhetik, bei der es zwischen den Stimmen, den Instrumenten und der Live-Elektronik zu einer dramatischen Interaktion kommt wie in seinem 2009 am Pariser IRCAM uraufgeführten Opernentwurf «Hypermusic...
Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt kaum. Als Nächstes, gleich nach der Uraufführung, muss ein liebestoller Gott betreut werden, und das nicht in der gängigen Vertonung von Richard Strauss, sondern in der von Antonio Caldara. Der Venezianer erhielt seinerzeit von Salzburgs Fürsterzbischof den Auftrag, fürs neue Heckentheater im Mirabellgarten Standesgemäßes zu...
