«Weißt du, was du sah’st?»

Überlegungen, Erläuterungen, Assoziationen zum Bayreuther «Parsifal»-Parcours

Opernwelt - Logo

Die Kunst ist bestimmt zu beunruhigen; die Wissenschaft macht ­sicher», formulierte einst Georges Braque im Hinblick auf die kubistische Malerei. Ähnliches gilt auch für die Erläuterung eines Theatererlebnisses: Während die Versprachlichung etwas rational sicherstellen kann, ist die eigentliche Erfahrung eine sinnliche Beunruhigung.

Was können wir – Kunst Schaffende und Kunst Rezipierende – tun, damit diese Beunruhigung konstruktiv irritiert und nicht nur verstört? Während man bei einer Bildbetrachtung oder Textlektüre Tempo und Unterbrechungen bestimmen kann, ist bei einer Theatervorstellung und – zeitlich noch präziser – bei einer Opernaufführung der Rhythmus vorgegeben: Es gibt keinen metaphorischen Pausenknopf, keine Zeitlupenwiederholung. Wenn ich im Folgenden in Beschreibungen und Erklärungen einige Sinnbezüge herstelle, so im Bewusstsein, dass diese lediglich wie Trabanten um das Zentrum erlebter Sinnlichkeit kreisen. Ästhetik ist schließlich keine rationale Manifestation von Sinn. Seit Stefan Herheims Diplominszenierung (vor zehn Jahren in Hamburg) pendelt jede unserer Regiearbeiten zwischen sicherstellender Analyse und sinnlicher Beunruhigung, schreibt sich in Adornos ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2009
Rubrik: Aufführung des Jahres, Seite 18
von Alexander Meier-Dörzenbach

Vergriffen
Weitere Beiträge
Abgesang

Als Albrecht Puhlmann im Herbst 2003 zum Intendanten der Staatsoper Stuttgart berufen wurde, herrschte allseits Zufriedenheit. Man glaubte, in dem Dramaturgen und Opernchef (Basel, dann Hannover) einen idealen Nachfolger für Klaus Zehelein, den erfolgreichen Vordenker eines konzeptionellen Musiktheaters, gefunden zu haben. Das vorzeitige, bittere Ende für Puhlmann...

Die Welt ist anders

Auf der Spielzeitbroschüre 2009/10 des Theaters Magdeburg heißt es in großen Lettern: «Wir sind Thema». Wenn man durch Halle, Magdeburg und Dessau geht, drängt sich allerdings keineswegs der
Eindruck auf, dass Musiktheater Stadtgespräch ist. Muss man es nicht erst zu einem Thema machen?
Karen Stone: Das ist sicher wahr, aber in letzter Zeit ist das Publikum in...

Höhenflug

Manchmal hilft es, wenn man sich der Hauptsache auf Nebenwegen nähert. Die Hauptsache ist: Wieder einmal hat René Jacobs aus Sicht der «Opernwelt»-Kritiker Maßstäbe gesetzt – diesmal mit einer Aufnahme des «Idomeneo», die eine vollständige Rekonstruktion der von Mozart für die Münchner Uraufführung 1781 geschriebenen, während der Proben jedoch (vor allem im dritten...