Auf Distanz
Mit «Émilie», Kaija Saariahos dritter Kollaboration mit dem Librettisten Amin Maalouf, hat das Lincoln Center Festival zum wiederholten Mal ein Stück importiert, dessen Stoff zwar kulturhistorisch interessant, aber nicht augenfällig für das Musiktheater geeignet ist. Die Produktion selbst bezieht ihren Glanz denn auch mehr von erlesenen Werbefotos als aus ihrer dramatischen Brillanz. Unbestritten: Potenzial haben sowohl das Sujet – die französische Universalgelehrte Émilie du Châtelet (1706-1749), eine prominente Figur am Hof Ludwigs XV.
, überdies intellektuelle Partnerin und Liebhaberin Voltaires – als auch Saariahos harmonisch ausgewogene, rhythmisch komplexe und klangfarblich nuancenreiche Partitur. Das Drama jedoch bleibt als Folge der monologischen Form wesentlich ein inneres, wirkt zudem repetitiv und letztlich im Ablauf zäh. So drängte sich der Eindruck auf, dass «Émilie» sich eher als Gegenstand der Lektüre als der Opernbühne eignet; vielleicht hätte man am meisten vom häuslichen Hörgenuss mit begleitender Libretto-Lektüre (zumal die gekünstelte Untertitelung der Aufführung nahezu unlesbar war).
Bis heute gilt Émilie du Châtelets französische Übersetzung von Isaac Newtons ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 60
von David Shengold
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