Karikatur und Tragik
Schwer zu glauben, dass Boris Timofejewitsch das Alter plagt: Mit Klaus-Dieter Lerche als Katerina Ismailowas Schwiegervater steht in der Linzer Neuinszenierung von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» ein überaus rüstiges und kernig singendes Mannsbild auf der Bühne, das gern unter offenem Hemd einen imposanten Brustkasten vorführt. Dennoch treibt ihn wohl die geriatrische Bettflucht nächtens durch die Lagerhallen, zudem drückt ihn die Prostata, weswegen er sich in ein Waschbecken entleert.
Ein paar Abonnenten stöhnen auf, auch später, als Alaine Rodin, eine hocherotische Katerina, fellatiofreudig vor ihrem rüde potenten Liebhaber Sergej (Erik Nelson Werner) in die Knie geht.
Doch man hätte diesbezüglich gewarnt sein können. Die junge Dame, die auf einem Plakat im Linzer Hauptbahnhof mit tiefem Blick an einer Zigarre nuckelt, hat zwar mit der Aufführung direkt nichts zu tun – aber die Bilder von Andreas Baeslers Inszenierung im Schaukasten des Landestheaters direkt gegenüber versprechen nicht weniger Deftiges. Freilich ist das alles durch Schostakowitschs Partitur legitimiert. Etwa, als bekanntestes Beispiel, in den wüst auftrumpfenden und danach erschlaffenden ...
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