Berg: Wozzeck
Ein starkes Stück. Auch wenn man es mit traditionellen Mitteln auf die Bühne bringt. Wie jetzt in Lübeck, wo Regisseur Marc Adam dem Werk keinerlei Gewalt antat, sondern – konzentriert auf die Darsteller und ihre Körpersprache – Bergs «Wozzeck» als Tragödie der Beziehungslosigkeit unter den Menschen entwickelte. Der fast requisitenfreie, leere Raum als Ort, wo die Menschen sich zwar begegnen, aber doch aneinander vorbeileben. Wo Bindungsversuche, gleich welcher Art, zum Scheitern verurteilt sind.
Wo auch das kleine Stückchen Geborgenheit, das man erreicht hat (Maries Stube wird dafür zur szenischen Metapher), wieder verloren geht: «Der Mensch ist ein Abgrund.»
Adams Inszenierung ist einfach, eingängig, beschränkt sich dennoch nicht auf realistisches Nacherzählen. Immer wieder wird eine zweite Sinnebene mitgedacht und mitgezeigt – sei es durch das Bataillon von Funkenmariechen, das der weibergeile Tambourmajor anführt, sei es durch den plötzlichen Wechsel ins Schattenspiel, das die Krise in der Beziehung zwischen Marie und Wozzeck optisch verdeutlicht, oder durch den unheimlichen Lemurentanz in der Schenke nach Mariens Tod. Facettenreich und trotzdem geradlinig wird das düstere ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein handfester Skandal zur Premiere oder schlicht und einfach das Prädikat: durchgefallen – das muss für eine Oper bekanntermaßen noch nicht die Versenkung im Orkus der Geschichte bedeuten. Siehe «Butterfly» und «Traviata» – eine kleine Änderung hier, eine andere Besetzung dort, und schon hatten Publikum und Geschichte ein Einsehen. Manchmal kommt der Erfolg aber...
Barockmusik am Hessischen Staatstheater: Das ist auch nach Rameaus «Platée» und der szenisch umgesetzten Bach’schen «Johannes-Passion» in den vergangenen Spielzeiten etwas Besonderes im goldprunkenden Neo-Rokoko. Ist in diesem Jahr um Ostern herum seine «Markus-Passion» oft zu hören gewesen, so spielen die Opern von Reinhard Keiser heute kaum noch eine Rolle. Mit...
Wer ist der Gral? Ein Stein, eine Schale, ein Kelch? Oder gar eine Frau, wie Peter Konwitschny 1995 in München meinte, mit Kundry als Madonna und Tauben im Rosenhag? Dies wird auch von «Sakrileg», dem derzeit vielleicht meistgelesenen Buch, kolportiert. Und schon 1190 legte der erste «Perceval»-Dichter Chrétien de Troyes diese Idee nahe, indem er einem Knaben den...
